Häufige Fragen


Da einige Fragen immer wieder gestellt werden, möchte ich an dieser Stelle auf die wichtigsten Themen eingehen. Ich freue mich über die große Resonanz und hoffe, dass die Antworten helfen. Aufgrund des Zeitmangels wird nach und nach vervollständigt.

1) Müssen auch Jungtiere bereits Winterschlaf halten?
2) Wie kann ich ein Tier das nicht Ruhen soll am Schlafen hindern?
3) Was kann ich bei Unverträglichkeit der Tiere untereinander tun?
4) Wie erkennt man unterdrückte Tiere?
5) Welche Parasiten/Protozoen kommen am häufigsten vor?
6) Wann sollte medikamentell gegen Parasiten behandelt werden?
7) Wie kann ich Infektionen mit Würmern, Einzellern ect. vorbeugen?
8) Mein Tier hat Kokzidien! Was nun?
9) Darf ich der Bartagame Freilauf/Auslauf im Zimmer gewähren?
10) Was ist bei einem Freilandaufenthalt zu beachten?
11) Ist Wiesenplankton bedenklich?
12) Was ist bei der Lampeninstallation zu beachten? Welche Terrariumlampen sind empfehlenswert?
13) Eine Bartagame frisst, die andere nicht?
14) Wieviel Futter benötigt eine Bartagme täglich?


1) Müssen auch Jungtiere bereits Winterschlaf halten?

Diese Frage kann man nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten. Grundsätzlich ist die Winterruhe, gerade für Zuchttiere, sehr wichtig für die Fortpflanzungsfähigkeit. Eine jährliche Auszeit ist auch bei allen anderen Tieren für die Gesunderhaltung und Langlebigkeit von enormer Bedeutung. Hinsichtlich der Jungtiere gibt es unterschiedliche Auffassungen. Weit verbreitet ist die Empfehlung Tiere unter einem Jahr nicht ruhen zu lassen, da sie noch zu klein und sehr anfällig sind. Meiner Meinung nach schadet allerdings auch eine kurze (4-6 Wochen) Ruhephase junger, gesunder, gut entwickelter Bartagamen nicht. Zwei meiner gerade 6 Monate alten Tiere haben sich die Auszeit sogar regelrecht eingefordert. Aufgrund der abnehmenden Lichtintensität (Fensternähe) bekommen die Tiere in Gefangenschaft den Klimawechsel mit und lassen sich auch durch Beibehalten der Lichtintensität nicht in die Irre führen. Wichtig ist aber: Tiere die krank, schwach oder unterentwickelt sind dürfen nicht schlafen geschickt werden. Eine Entwurmung sollte 8 Wochen vorher, gezielt nach einer Kotuntersuchung, absolviert werden. Und die Tiere sollten von allein durch Absenken der Lichtdauer das Fressen eingestellt haben. Ob eine vollständige Entleerung des Verdauungstraktes sinnvoll ist, darüber wird ebenfalls diskutiert. Allerdings schaden Warmwasserbäder hinsichtlich einer ausreichenden Flüssigkeitsaufnahme vor der Winterruhe nicht.

2) Wie kann ich ein Tier das nicht Ruhen soll am Schlafen hindern?

Das ist nicht so einfach, aber dennoch machbar. Wichtig ist die Lichtintensität stark zu erhöhen, z.B. durch eine oder zwei zusätzliche Lichtquellen (Bsp. Bright sun desert, T5 - Röhren) im Terrarium. Vergräbt sich das Tier, sollte es zum Füttern geweckt werden - z.B. die Dose mit Heimchen vor die Nase stellen. Die Dauer des Lichtes darf auf keinen Fall verkürzt werden (12-14 Stunden Minimum). Die Tiere sollten weiterhin nicht in Fensternähe stehen, da sie den aktuellen verkürzten Lichtrhythmus der Natur mitbekommen und sich trotz guter Lichtintensität im Terrarium davon beeinflussen lassen.
Sekundär sollte natürlich überprüft werden, ob das Tier gesund ist. Kranke oder unterdrückte Tiere täuschen durch das sich Einbuddeln einen Winterschlaf ev. nur vor.

3) Was kann ich bei Unverträglichkeit der Tiere untereinander tun?/ Ein Tier gedeiht und wächst - das andere kümmert, bleibt klein und frisst weniger.

Das Kümmern kann mehrere Ursachen haben. Als erstes sollte eine mögliche Krankheit (Wurmbefall, Einzeller, Bakterien, Viren, Organerkrankungen) als Ursache von einem Reptilientierarzt abgeklärt werden. Tiere die sich nicht wohl fühlen sind unterlegen und können durch das gestresste Immunsystem noch anfälliger für weitere Erkrankungen, wie Endoparasiten, sein. Das stärkere Tier wird einen "Schwächling" weiter erfolgreich unterdrücken. Weitaus häufiger sind allerdings Revierstreitigkeiten. Das Geschlecht ist anfangs meist nicht 100%ig bestimmbar. Oft hält man aus diesem Grund 2 unverträgliche männliche Tiere zusammen. Man sollte nicht vergessen, dass Bartagamen Einzelgänger sind. Am idealsten hält man sich die Bartagamen in Einzelterrarien und setzt sie zur Paarungszeit, so Nachwuchs erwünscht ist, zusammen. Viele Bartagamenliebhaber halten sich ein Männchen mit mindestens zwei oder mehreren Weibchen zusammen. Aber auch da kann ein friedliches Miteinander nicht garantiert werden. Gerade fortpflanzungsaktive Männer stressen ihre Weibchen arg. Mitunter kommt man nicht umhin dann wenigstens das männliche Tier in "Einzelhaft" zu halten. Um die Schwierigkeiten in der Gruppe zu vermeiden oder zu beseitigen muss man darauf achten, dass das Terrarium ausreichend groß ist. Bei zwei oder drei Tieren liegt das Minimum bereits bei 1.80 cm Länge x 80 cm Tiefe x 80 cm Höhe. Nur so ist gewährleistet, dass die Tiere ausweichen können und genug Sonnenplätze (für jedes Tier ein Sonnenplatz!) und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Sitzerhöhungen sollten, um Rangeleien um den höchsten besten Platz zu unterbinden, auf gleicher Höhe angebracht werden. Eventuell, so es beim Füttern zu Kämpfen kommen sollte, kann man die dominanteren Tiere aus dem Becken holen und erst die Rangniederen füttern. Bringen alle Versuche keine Besserung, so bleibt keine andere Möglichkeit, als die Tiere vorübergehend oder dauerhaft zu trennen.

4) Wie erkennt man unterdrückte Tiere?

Unterdrückte Tiere erkennt man an ihrer geduckten Haltung und ihrer dunkleren "Stressfärbung". Meist sitzen sie (ev. mit geschlossenen Augen) an entlegenen Plätzen und sie versuchen sich aus dem Wirkungskreis des Mitbewohners zu entfernen (Graben, Scheibenlaufen, Verstecken). Das Fressen wird nur zögerlich oder gar nicht mehr aufgenommen. Dominante Tiere hingegen sitzen mit gehobenem, der Lichtquelle entgegengestrecktem Kopf, auf dem höchstem Platz im Terrarium und Nicken heftig mit dem Kopf bei Begegnungen mit den Rangniederen, meist mit schwarz gefärbtem, aufgestelltem Bart. Das unterlegene Tier winkt dann zur Beschwichtigung mit den Ärmchen. Dieses Verhalten kann man auch während der Paarungszeit beobachten. Auch hier sollte man eingreifen, wenn das Weibchen durch diese permanenten Paarungsversuche mitgenommen wirkt.

5) Welche Parasiten kommen am häufigsten vor?

Sehr oft kann der Tierarzt in einer Kotprobe Eier von Rundwürmen (Nematoden), den Oxyuren (Pfriemenschwänze), nachweisen. Im Magen und Darm schlüpfen aus den aufgenommenen Eiern die Larven. Sie leben hauptsächlich im Dickdarm der Bartagame und entziehen dem Tier wichtige Nährstoffe. Sehr häufig und gesundheitlich problematisch ist auch der Befall mit Protozoen (Einzeller), wie Kokzidien (v.a. Isospora) und Flagellaten (v.a. Trichomonaden). Ihre leichte Übertragung führt häufig zu einem hochgradigen Befall und damit zu einer schweren Symptomatik, die einer umgehenden Therapie bedarf. Mitunter parasitieren auch Milben (Schlangenmilben), bei Freilandhaltung auch Zecken auf Bartagamen.

6) Wann sollte medikamentell gegen Parasiten behandelt werden?

Diese Entscheidung kann nur ein reptilienkundiger Tierarzt treffen. Nachgewiesene Parasiten sind in geringer Befallsstärke meist kein Problem. Erst unter ungünstigen Haltungsbedingungen (Überbelegung, schlechte Hygiene) oder durch Transportstress bzw. eine hinzukommende andere Erkrankung kann es zum Massenbefall kommen. Das Tier erkrankt und sollte dann auch adäquat behandelt werden. In der Regel sieht man bei symptomfreien Tieren von einer Behandlung ab. Aber auch hier gibt es situationsbedingte (z.B. bei bevorstehender Winterruhe oder einem neuen Tier in Quarantäne) bzw. erregerbedingte Ausnahmen. Adulte Bartagamen mit einem geringgradigen Oxyuren- bzw. Kokzidienbefall sollten gelegentlich, besonders vor der Winterruhe, behandelt werden. Ein strengeres Therapieregime sollte bei Zuchttieren erfolgen, um die Infektionsgefahr beim Nachwuchs so gering wie möglich zu halten. In Fachkreisen wird über die Notwendigkeit der Therapie bei gesunden Tieren mit geringgradigem Flagellatenbefall diskutiert. Einerseits wird dringend zur medikamentösen Behandlung jedes befallenen Tieres geraten, da auch harmlose Trichomonaden bei geschwächten Tieren Organe befallen können. Andererseits werden Flagellaten als opportunistische Darmmitbewohner gesehen, die sich nicht 100%ig eliminieren lassen und damit eine Therapie bei klinisch gesunden Tieren überflüssig machen. Die spezielle Vorgehensweise hängt auf jeden Fall von der Art der Flagellaten ab, die nur in einer frischen Kotrobe richtig bestimmt werden kann. Medikament der Wahl ist das Metronidazol.

7)Wie kann ich Infektionen mit Würmern, Einzellern ect. vorbeugen?

Verhindern kann man eine Infektion nicht hundertprozentig, da auch übers Futter (Futtertiere, Grünpflanzen vom Garten) Parasiten aufgenommen werden. Über den Kot werden die meisten infektiösen Stadien (Kokzidien, Oxyureneier) ausgeschieden und können dann vom selben Tier oder anderen Mitbewohnern wieder aufgenommen werden. Auf diesem Weg entwickelt sich in dem kleinen Wirkungskreis des Terrariums sehr schnell ein Massenbefall. Aus diesem Grund ist die Hygiene im Terrarium/Freigehege von enormer Bedeutung.
Futter-, Trinknäpfe sollten täglich gesäubert und am besten etwa aller 3-5 Tage (bei Kotkontakt umgehend) im Ofen bei 120°C für 15 Minuten hitzesterilisiert werden. Kothaufen werden am günstigsten sofort nach Kotabsatz entfernt. Kotverschmierte Äste müssen ebenso umgehend mit heißem Wasser abgewaschen werden (bürsten) und sollten regelmäßig im Backofen gebacken werden. Bei einem diagnostizierten hochgradigen Parasitenbefall ist eine Sanierung des Terrariums und der Einrichtungsgegenstände mit einem geeignetem Desinfektionsmittel (z.B. Kovi-X-Spray) angezeigt. Die Desinfektionsmittel müssen gut wieder abgewaschen werden und dürfen für die jeweilige Art nicht toxisch sein.
Regelmäßige Kotuntersuchungen (halbjährig) verstehen sich von selbst. Nur nach dieser Untersuchung lässt sich feststellen welche Erreger vorhanden sind und welche überhaupt behandelt werden müssen. Man sollte wissen, dass auch nicht alle Erreger (Salmonellen) permanent, sondern intervallartig ausgeschieden werden und somit nicht in jeder Kotprobe entdeckt werden können. Hier empfiehlt es sich den Kot über 2-3 Tage in einem verschließbaren Gefäß zu sammeln (Sammelkotprobe) und die Untersuchung etwa 4 Wochen später zu wiederholen. Die bereits gesammelten Häuflein müssen im Kühlschrank aufbewahrt und mit einem Tropfen Wasser versehen werden.
Neuzugänge (neu gekaufte Tiere) müssen für mindestens 8 Wochen in Quarantäne gehalten und der Kot regelmäßig untersucht werden. Von einer Überbelegung im Terrarium ist abzusehen.

8) Mein Tier hat Kokzidien! Was nun?

Diese Frage wird sehr häufig, v.a. mit panischem Unterton gestellt. Kokzidien sind bei Reptilien in der Natur als auch in Gefangenschaft weit verbreitet. Kokzidien haben etwa die Hälfte aller gesunden Bartagamen und kommen damit gut zurecht. In unseren Terrarien haben wir nur das bereits besprochene Hygieneproblem und es kann dann durch die ständige Reinfektion (Wiederaufnahme der Erreger über den Kot) zu einem hochgradigen Befall und damit zu lebensbedrohlichen Erkrankungserscheinungen kommen. Krankheitsanzeichen sind beispielsweise Durchfall, Austrocknungserscheinung (faltige Haut) und Fressunlust. Unbehandelte Jungtiere sterben häufig an den Folgen der heftigen Darmentzündung bzw. an Nierenversagen, währenddessen die adulten Bartagamen lediglich als Ausscheider der Kokzidien-Oozysten fungieren und keine Symptome zeigen müssen.
Werden nun Kokzidien diagnostiziert ist die ANZAHL (!) der Erreger im Kot und der GesundheitsZUSTAND des Tieres relevant. Liegt ein geringgradiger Befall vor und dem Tier geht es gut (kein Durchfall, frißt gut), muß nicht unbedingt ein Medikament verabreicht werden. Man beobachtet lediglich ob Symptome auftreten, hält strenge Hygiene (s.o) ein und lässt den Kot in kürzeren Abständen untersuchen. Tritt ein genanntes Symptom auf, ist der Gang zum Tierarzt angezeigt. Bei hochgradigem Befall und Krankheitsanzeichen wird dem Tier umgehend ein gut verträgliches flüssiges Medikament (Baycox 5%) verabreicht. Entgegen der Gerüchte unter einigen Züchtern/Haltern Baycox wäre nicht geeignet muß gesagt werden, dass es bisher (Anfang 2009) kein zuverlässigeres und verträglicheres Mittel gibt. Wahrscheinlich beruhen die gemachten schlechten Erfahrungen auf die Anwendnung des Baycox 2,5%, ein sehr schleimhautreizendes Medikament, dass verdünnt werden muß. Baycox 5% (neues Lösungsmittel!) ist hingegen äußerst verträglich und ich hatte bisher, auch bei Jungtieren, keine schlechten Erfahrungen machen müssen.
Auch nach der erfolgreichen Behandlung kann das Tier übrigens nach ein paar Wochen bis Monaten wieder Kokzidien ausscheiden, da eine 100%ige Kokzidienfreiheit nicht garantiert werden kann. Bei Zuchttieren sollte allerdings, um eine Infektion der anfälligen Jungtiere (dies geschieht über die Eier!) zu vermeiden, eine "Kokzidienfreiheit" der Elterntiere vor der Eiablage angestrebt werden. Das Terrarium sollte dann auch mit einem wirksamen Desinfektionsmittel (z.B. Kovi-X) desinfiziert, penibelst wieder ausgewaschen (ev. unter Nutzung eines Dampfreinigers - Dampfente) und vorerst mit Zellstofflagen oder Zeitungspapier ausgestattet werden. Somit können die Hinterlassenschaften umgehend auf einfachste Art und Weise entfernt werden. Sobald die Therapie beendet ist und im Kot keine Oozysten mehr zu finden sind, kann das Tier wieder auf Sand/Lehm gehalten werden. Erwähnte Hygienestandardmaßnahmen (tägliche Reinigung ect.) sind generell einzuhalten. Den alleinigen Einsatz einer Dampfente zur Terrariumdesinfektion halte ich für ungenügend effektiv, da nur punktuell eine genügend hohe Temperatur erreicht werden kann, um Kokzidiendauerstadien abtöten zu können. Alle Einrichtungsgegenstände können bei 120°C im Ofen für etwa 20 Minuten behandelt werden. Sehr hygienisch und robust sind Tonuntersetzer aus dem Gartenmarkt. Ich verwende sie als Futter- Trink- und Badeschalen. Nicht leicht zu reinigende Gegenstände (Korkäste) sollten ausgetauscht und entsorgt werden.

Wer Kokzidieninfektionen, so angezeigt, rechtzeitig und konsequent behandelt, wer Hygienemaßnahmen einhält und wer für optimale Haltungsbedingungen sorgt, braucht also nicht mit dem Verlust eines Tieres zu rechnen.

9) Darf ich der Bartagame Freilauf/Auslauf im Zimmer gewähren?

Auch diese Frage wird sicher jeder anders beantworten. Ich persönlich halte das "Freiherumlaufenlassen" für keine gute Idee. Bartagamen sind wechselwarme Wüstentiere, die je nach Wohlbefinden ihre verschiedenen Temperaturzonen (Schatten bei 20° bzw. daraufhin wieder den Sonnenplatz bei 45°C) aufsuchen müssen, um ihre Körpertemperatur regulieren zu können. Auf dem Fußboden ist es ihnen nicht möglich diesem Verhalten nachzugehen. Zudem tritt nicht selten eine Lungenentzündung infolge der Unterkühlung oder Zugluft auf dem Boden auf. Nicht unterschätzt werden sollte weiterhin die Übertragung spezieller Erreger (Salmonellen, Oxyuren) auf den Menschen, v.a. Kinder! Reptilien sind leider keine Kuscheltiere. Weitere Gefahren des Zimmeraufenthaltes wären das Fressen giftiger Zimmerpflanzen und die Aufnahme zahlreicher Bakterien oder anderen Unrates (Haare, Staub). Auch kann der Freigang (neue unbekannte Umgebung, andere Haustiere, Kinder) enormen Stress verursachen und damit zusätzlich das Immunsystem überbeanspruchen.
Dennoch kann sicherlich, nach Beseitigung genannter Gefahrenquellen, ein kurzer Aufenthalt im Zimmer eine willkommene Abwechslung sein. Hier muss man sicherlich auch individuell eine Entscheidung treffen.

10) Was ist bei einem Freilandaufenthalt zu beachten?

An erster Stelle möchte ich gerne darauf hinweisen, dass ein Aufenthalt an der Sonne die beste Haltungsbedingung darstellt. Mit keiner Lampe, und hat man noch so ein großes Kraftwerk für seine Bartagamen installiert, lässt sich natürliches Sonnenlicht ersetzen. Die Tiere lieben es und danken es mit einer prächtigen Farbgebung. Nach einigen erfolgreichen Ausbruchversuchen aus meinen Freilandterrarien bin ich um einige Erfahrungen reicher. Nutzt man einen Kaninchenstallkäfig (siehe Foto unter "Terrarien"), sollte man unbedingt sicher stellen, dass die Bartagame nicht durch die Gitterstäbe passt. Terrarien "oben ohne" sollten, um vor Fressfeinden zu schützen mit einem engmaschigen Netz gesichert werden. Wichtig ist es, dass die Temperaturen im Freien auch den Vorzugstemperaturen (Sonnenplätze, Schattenbereiche) entsprechen. Nachgeholfen werden kann durch Nutzung dunkler Steine (heizen sich stark auf) oder einem kleinen "Gewächshaus" (ev. mit zusätzlichem elektrischen Spot) im Freigehege zum Aufwärmen. Unterschlupfmöglichkeiten, ein großer Blumentopfuntersetzer mit Wasser zum Baden und Klettermöglichkeiten sollten nicht fehlen. Insektenfutter, Salat und Zusatzpräparat (Mineralien, Vitamine) sollte der Vollständigkeit halber zusätzlich angeboten werden, da man nicht sicher sagen kann, ob und wieviel Wiesenplankton selbst gefangen wird. Im Handel gibt es bereits ein Mineralstoff-, Vitaminpräparat für Tiere unter Freilandhaltung. Hier fehlt allerdings die eigene Erfahrung mit diesem Produkt. Je nachdem ob eine artgerechte Unterbringung für die Nacht vorhanden ist, können die Tiere im Sommer auch draussen nächtigen. Die eigenen Tiere wurden allerdings vor Sonnenuntergang hereingeholt, da ich Nachbars Katzen, dem Dorffuchs oder den Mardern in dieser Angelegenheit nicht über den Weg traue. Nach dem letzten Besuch im Freigehege im Frühherbst ist eine Kotuntersuchung unbedingt anzuraten. In der Regel findet 8 Wochen später die Winterruhe statt.

11) Ist Wiesenplankton bedenklich?

Jaein! An stark befahrenen Straßen oder gedüngten, gespritzten Feldern ja. Ansonsten besitzen die freilebenden Insekten ein sehr gutes Immunsystem und können sich gegen jegliche Infektion auch wehren. Vorteil dieser abwechslungsreichen Insektenkost ist, dass wir unsere Bartagamen mit äußerst nährwert-, vitamin- und mineralstoffreicher Nahrung versorgen. Eine Substituierung mittels Pülverchen ist dann auch nicht so essentiell. Parasitenfrei sind aber auch Naturinsekten nicht. Deshalb wird der Kot der Bartagame auch regelmäßig kontrolliert.

12) Was ist bei der Lampeninstallation zu beachten? Welche Terrariumlampen sind empfehlenswert?

Grundsätzlich muss eigentlich nur Folgendes beachtet werden: Eine Bartagame braucht:
1) es so hell wie möglich
2) genügend UV-Licht (v.a UVB!!!)
3) Wärmespots (40-50°C) zum Aufwärmen
4) kühlere Bereiche zum Abkühlen (etwa 25°C)
Erklärung: Welche Lampen man aus dem breiten Reptilienlampensortiment auswählt, bleibt dem Halter selbst überlassen, solange die Kriterien (1.-4.) alle sicher getellt werden können. Als UV-Lampe hat sich bisher die Osram Vitalux (300 Watt) am besten bewährt. Eine halbe Stunde täglich (mit kürzeren Zeiten beginnen!) reicht zur Vitamin D3-Bildung aus. Der Nachteil besteht in der Einhaltung eines Mindestabstandes von 80-100cm. Den natürlichen Bedingungen näher, da ganztags im Einsatz, kommen die Bright Sun Desert - Lampen. Sie erzeugen enorm viel Licht und Wärme, eine ausreichende UVA und UVB-Versorgung und können bis zu 12 Stunden täglich eingesetzt werden. Das UV-Licht lässt allerdings bei ALLEN (!) UV-Lampen bereits nach 3-4 Monaten nach. Allerspätestens aber nach 5-6 Monaten sollten die Leuchtmittel ausgetauscht werden. Als nicht so günstig, hinsichtlich der UVB-Leistung, haben sich UV-Kompaktlampen erwiesen. Auch mit den T8-UV-Röhren wird mitunter nur eine unzureichende Vitamin-D3-Bildung erzielt, da hier die notwendigen Minimalabstände nicht permanent eingehalten werden können. Ich möchte an dieser Stelle zur Veranschaulichung mal 2 Varianten vorstellen:

Variante 1:
Terrarium 1,50m (L) x 0,90m (T) x 1,00 (H)
Da die Bright Sun Desert-Lampen viel helles Licht, Spotwärme und zusätzlich noch UVA- und UVB-Licht anbieten, habe ich für 2 Bartagamen zwei solcher Spots installiert. Für jedes weitere Tier müsste eine Lampe hinzugefügt werden, damit jedes Tier einen Spot zum Aufheizen hat, um Rangeleien zu vermeiden. Die Bright Sun Desert bringt direkt unter der Lampe sehr viel Helligkeit und im richtigen Abstand auch 40-50°C. Sie kommen täglich 12 Stunden zum Einsatz. Zur Grundausleuchtung im gesamten Terrarium wurden zusätzlich 4 T5-Röhren (54 Watt) angebracht. Somit wird insgesamt für ausreichend Helligkeit gesorgt. Da die UV-Abgabe bereits nach 4 Monaten abnimmt, ich die Bright Sun Desert Lampen aber noch nicht austauschen möchte (da sie noch weiterhin für Licht und Wärme sorgen können) wurde in einem Meter Höhe die Osram Vitalux befestigt. Diese übernimmt nach den abgelaufenen 4 Monaten die UVB-Bestrahlung, bis neue Bright Sun Deserts zum Einsatz kommen.
Variante 2:
Terrarium 1,50m (L) x 0,60m (T) x 0,80m (H)
Hier habe ich 2 T8 UV-Röhren (36 Watt) installiert. Als Spot nutze ich einen gewöhnliche Halogen-Wärmestrahler (75 Watt) und zwei Bright Sun Desert 50 Watt Lampen. Die Röhren werden aller 4 Monate ausgetauscht und übernehmen vorübergehnd die UV-Leistung der Bright Sun Desert. Im Sommer wird diesen Tiere allerdings Sonnenlicht gegönnt.

Diese Varianten lassen sich beliebig variieren. Es gibt so viel Leuchtmittel für die Terraristik. Letztendlich muss man, um die nötigen Temperaturen zu erreichen ausprobieren. Reicht die 50 Watt Lampe nicht aus, um die Temperatur im gesamten Becken auf Minimum 25°C zu halten, muß ebend die 100 Watt Lampe herhalten. Und es gilt: Je heller desto besser! Selbst unser Sonnenlicht in Europa leistet nicht so viel Helligkeit wie die Sonne Australiens!

13) Eine Bartagame frisst, die andere nicht!

Das ist ein sehr häufiges Problem. An erster Stelle sollte man erst einmal alle in Frage kommenden Ursachen abklären und ausschließen: Ist der Kot in Ordnung? Stimmen die Temperatur und die Luftfeuchte? Wird mit den Lampen ausreichend Licht erzeugt oder ist es zu dunkel und das Tier verfällt in Winterruhe? Ist das Terrarium groß genug und sind ausreichend Versteckmöglichkeiten, Sonnenplätze für jedes einzelne Tier vorhanden? Kommen eine Legenot oder eine Sandverstopfung in Frage? Auch eine bakterielle, parasitäre, virale Infektion kann dahinter stecken. Sind die Geschlechter 100%ig sicher bestimmt oder hält man sich sogar 2 Männlein?... Wie ich bereits beschrieben habe, kann es auch zwischen Mann und Weibchen bzw. unter den Weibchen zu Unverträglichkeiten kommen. Dabei spielt keine Rolle, ob man Jagdszenen ect. beobachtet oder ob die Tiere aufeinandersitzen und vermeintlich kuscheln. Meist reicht die Anwesenheit eines anderen Exemplares aus, um das Fressen einzustellen. Wie erwähnt: Bartis sind Einzelgänger. Winterruhe wäre auszuschließen, wenn die Lampen ordentlich hell sind, das Licht 14 Stunden täglich brennt, Temperaturoptimum herrscht und das Terrarium nicht in Fensternähe steht und somit den Tieren durch die kürzer werdenden Tage Winterruhe vermittelt. Am besten man trennt das betroffene Tier vorerst, hält es ersteinmal alleine, lässt ihm ein paar Tage Zeit und versucht täglich Futter anzubieten. Sollte der andere Mitbewohner wirklich das Problem sein (häufig der Fall!), dann wird man ohne Einzelhaltung keine Erfolge erzielen. Wichtig: Bitte aller 2 Tage wiegen und Körpermasse notieren. Dann sieht man ob das Tier ab- oder zunimmt und kann die Fütterung anpassen. Sollte die Bartagame nach etwa 1 Woche (abhängig vom Allgemein- und Ernährungszustand!!!) nicht gefressen haben, bleibt nichts anderes übrig, als ihr per Sonde/Spritze Brei und KLEINE (!) Heimchen/Grillen ins Maul einzugeben. Man verabreicht besser 3 mal täglich kleine Portionen (2 kleine Insekten). Alternativ oder zusätzlich kann man a/d Katzenfutter, Convalescent-Brei für Katzenbabys oder direkt das Critical care für Reptilien nutzen. Auch Gemüsefleisch-Babybreie eignen sich vorübergehend. Bewährt hat sich auch das Bioserin (proteinreiche Flüssigkeit), 3-4 mal 1ml/kg täglich. Hier sollte man aber vorher mal auf die Nierenwerte schauen, damit man diese nicht mit dem hochdosierten Protein überlastet. Die Darmflora kann (z.B. während/nach Antibiotikagabe) mit Bird bene bac stabilisiert werden. Fehlt dem Tier Flüssigkeit müsste vom Tierarzt zusätzlich infundiert werden. Diese Beispiele dienen lediglich zur Orientierung. Bei Nichtbesserung wären weitere Abklärungen (Kotuntersuchung, Blutbild, Röntgen, Ultraschall, Abstriche...) nötig, um die genaue Ursache abklären zu könnnen. Auch der Zeitpunkt der Zufütterung ist individuell zu bestimmen. Einem Tier, dass schon abgemagert ausschaut bzw. bereits seit längerer Zeit Futter verweigert, sollte umgehend Futter verabreicht werden. Hierbei ist aber zu beachten, dass mit sehr kleinen, leicht verdaulichen Futtermengen begonnen wird, um das Verdauungssystem peu à peu wieder an Futter zu gewöhnen...

14) Wieviel Futter benötigt eine Bartagame täglich?

Es gibt leider keine ernährungswissenschaftliche Studie über den Futterbedarf einer Bartagame... Leider, sonst gäbe es detaillierte Angaben. Man kann keine pauschale Angabe über die Anzahl der Futtertiere machen. Dies ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie z.B. von der Größe, dem Alter bzw. dem Energieverbrauch der Bartagame, der Futtertiergröße, der Art der Futtertiere oder von den Haltungsbedingungen... usw. Die eigenen Jungtiere bekommmen bis zu einem Alter von 2 Monaten 2-3 x tgl. 5-7 kleine Heimchen und ab dem 3. Monat nur noch 2 x tgl. etwa 5 kleine bis mittlere Heimchen. Beißen sich die Tiere untereinander (bei uns noch nie der Fall gewesen), so haben die Tiere Hunger und es sollte die Ration vergrößert werden. Außerdem sollte unbedingt täglich abwechslungsreiches, rohfaserreiches Grünes im Angebot stehen. In der Regel wissen die Tiere hinsichtlich der vegetarischen Kost, wann sie satt sind. Unsere Babys fressen immer sehr viel Grün von Beginn an. Ab dem 6. Monat genügen dann aller 2 Tage 5 mittlere bis große Heimchen, Grillen oder kleine Heuschrecken und ab einem Jahr gibt es nur noch aller 3-4 Tage etwa 5 große Heimchen, Grillen oder mittlere Heuschrecken. Individuell muss man auch differenzieren: Trächtige Weibchen und "paarungsverrückte" Männchen bekommen etwas mehr, Tiere in der Freilandhaltung ggf. weniger Futter. Wöchentliche Gewichtskontrollen helfen sich etwas zu orientieren. Mit der Zeit entwickelt sich ein Gefühl dafür, wieviel die eigenen Tiere individuell wirklich benötigen. Einen Fettschwanz (Schwanzansatz) sollten die Bartagamen aber nicht entwickeln und die Sitzbeinhöcker sollten auch nicht zu deutlich hervorspiessen.