Haltungsfehler


Auf vielen Internetseiten (siehe "Links") wird bereits ausführlich über die Haltung und Fütterung berichtet. Ich gehe davon aus, dass sich jeder zukünftige Tierbesitzer vor der Anschaffung akribisch mit den Haltungsbedingungen auseinandersetzt.
An dieser Stelle soll deshalb nur auf immer wiederkehrende Haltungs- bzw. Fütterungsfehler eingegangen werden, die häufig zur Vorstellung der Tiere in eigener Praxis führen.

1) Mineralstoff-/Vitaminmangel

Ein wichtiger Mineralstoff für Bartagamen ist das Kalzium. Zusammen mit Phosphor wird es in das Skelett eingelagert. Dazu bedarf es allerdings einer ausreichenden Versorgung mit UVB-Licht. Das UVB-Licht fördert die Bildung von Vitamin D3 – notwendig für den Kalziumstoffwechsel und damit die Einlagerung in den Knochen.
Die Insekten sollten regelmäßig (bei jeder Fütterung) eingestäubt werden um eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen zu gewährleisten – lieber einmal mehr als zu wenig.
Sehr gute Erfahrung habe ich persönlich mit Korvimin und einem reinen Mineralstoffpräparat (z.B. Kalziumcitrat oder geriebener Sepiaschulp) im Wechsel gemacht.

Zerkleinerter Sepiaschulp sollte IMMER in einer Extraschüssel (nicht im Sand!) angeboten werden. Somit können die Tiere ihren Bedarf selbst regulieren. Denn wenn dem Tier Kalzium fehlt wird es versuchen, den Mangel durch Sandfressen zu kompensieren. Dies kann zu gefährlichen Sandverstopfungen führen!

Maximal einmal in der Woche kann ein Multivitaminpräparat verabreicht werden (z.B. Vitacombex V für Ziervögel – einmal pro Woche ein Tropfen pro 100g Körpermasse). Vitaminpräparate aber sehr vorsichtig einsetzen, da es immer wieder zu Überdosierungen, v.a. von Vitamin A und D3, kommt.

Bereits von kleinauf sollte täglich frisches Grün zur Verfügung stehen, um die Tiere an pflanzliche Nahrung zu gewöhnen und sie, so qualitativ hochwertige Pflanzennahrung verwendet wird, mit wichtigen Vitaminen zu versorgen. Eine Vitaminsubstitution s.o. erübrigt sich bei abwechslungsreicher Grünfütterung gänzlich! Im Sommer kann ununterbrochen frischer Löwenzahn, -blüten, Brennesselblätter, Spitz-/Breitwegerich, etwas Weißklee, Vogelmiere, Erdbeer-, Brombeer-, Himbeerblätter, Gänseblümchen, Veilchen, Kapuzinerkresse, Petersilie, Basilikum und Gartenkresse usw. angeboten werden. Man sollte versuchen ein Salatgemisch aus mehreren verschiedenen Pflanzenfamilien zusammenzustellen. Damit ist eine abwechslungsreiche Nährstoff- und Vitaminversorgung gesichert. Außerdem umgeht man die Gefahr den Grenzwert für gesundheitbedenkliche Inhaltsstoffe (Nitrat, Oxalat..) zu überschreiten. Nicht an Straßen pflücken, möglichst unbelastetes Grün verabreichen. Zur Abwechslung hin und wieder geriebene Karotte (sehr kalorienreich!) oder Zucchini darunter reiben bzw. kleingeschnittene Paprika oder Keimlinge (sehr eiweißreich!) dazu geben. Auch kalziumreiche Pflanzen, wie Grünkohl, Mangold oder Fenchel, dürfen ab und zu auf dem Speiseplan stehen. Bei Kohl kann es allerdings zu Blähungen kommen, deshalb wirklich nur in kleinen Mengen anbieten. Tomate und Gurke in Maßen füttern. Sie führen durch ihren hohen Wassergehalt oft zu Durchfall. Tomaten können Nierenschäden verursachen. Mais ist sehr kohlenhydratreich und verursacht Verstopfungen.
Wenig, am besten kein Obst anbieten, da es sehr süß/kalorienhaltig ist und die Darmflora ungünstig beeinflusst.
Im Winter wird es schwieriger. Allerdings sollte bei gesunden Tieren in dieser Zeit eh die Winterruhe erfolgen. Auf Kopfsalat (nitratreich, kalzium- und nährstoffarm, rohfaserarm) möglichst verzichten. Auch Eisbergsalat hat so gut wie keinen Nährwert. Gut verträglich und relativ nährstoff- und ballaststoffreicher sind der Romanasalat (Salatherzen), Lollo Rosso, Endivie oder Ruccola. Am besten beim Biohändler kaufen, um die Nitrat- und Pestizidbelastung so gering wie möglich zu halten! Um den Rohfasergehalt (Ballaststoffe) der Supermarktsalate zu erhöhen kann kleingehäckseltes Heu (Heucobs, z.B.) unter den zubereiteten Salat gemischt werden. Zur Abwechslung kann man besonders im Winter die sogenannte Golliwoogpflanze (Foto) anbieten. Diese soll sehr mineralstoff- und vitaminreich sein.






2) UV-Lichtmangel

UV-Lichtlampen sollten spätesten nach bereits 4 Monaten ausgewechselt werden, da der UVB-Anteil dann drastisch nachlässt. Kompakt-/Energiesparlampen und UV-Röhren (T8) haben sich als eher ungünstig hinsichtlich der ausreichenden Versorgung mit UVB-Licht erwiesen. Die althergebrachte Osram-Vitalux (30-60min/Tag bei etwa 1m Abstand; mit 10min beginnen und Ausweichmöglichkeit bieten!) hat sich am besten bewährt, um die Vitamin D3 - Bildung anzuregen. Auch die "Bright sun desert" – Lampen scheinen sehr gut zu sein und bringen sehr viel Licht. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie den ganzen Tag leuchten und somit eine natürliche UV-Bestrahlung simulieren. UVB-Licht ist wichtig für die Vitamin D3 - Bildung und damit der Aufnahme der Mineralstoffe und die Einlagerung in die Knochen! Fehlen Mineralstoffe kommt es zu Knochenerweichung und -verformungen. Foto Lampenanordnung von links nach rechts: Wärmespot 50 Watt, Osram Vitalux, Bright sun desert 70 Watt, Spot 75 Watt, Bright sun desert 70 Watt und 2 T5-Röhren 54 Watt im Hintergrund. Zu den UV-Lichtlampen sollten auch normale Reflektorlampen als Spot für die Tiere zur Verfügung stehen, damit sie sich selbst für die jeweilige Lichtform entscheiden können.
Wer sich intensiver mit der Thematik UV-Licht und der Effektivität diverser Lampen auseinander setzen möchte, kann sich auf folgender Seite umfangreich informieren: http://www.uvguide.co.uk/vitdpathway.htm oder in deutscher Kurzform: www.tierarzt-schwelm.de/reptilien

3) Überfütterung/zu große Futtertiere

Auf die richtige Menge und Größe kommt es an! Oft sind die empfohlenen Fütterungsintervalle und –mengen viel zu reichhaltig. Die anfänglich tägliche Fütterung von Insekten sollte mit zunehmendem Alter drastisch reduziert werden. Sehr viele Bartagamen haben eine Fettleber (Foto: gelbliche Farbe der Leber durch Fetteinlagerung; normale Leber ist dunkelbraun/schwarz gefärbt) oder sie wachsen zu schnell. Während der Winterruhe (Fastenperiode) oder einer anderen Grunderkrankung schafft die Leber es dann nicht die Stoffwechselfunktion anzupassen und das Tier kann sterben. Auch die Nieren können durch eine Proteinüberversorgung geschädigt werden. Nierenversagen, Gicht... sind die Folge.


Über den tatsächlichen Protein- (Insekten) Bedarf wird heftig diskutiert. Untersuchungen des Mageninhaltes freilebender Bartagamen haben ergeben, dass hauptsächlich pflanzliche Nahrung auf dem Speiseplan adulter Tiere steht. Erwachsene Bartagamen benötigen maximal 2-3 x wöchentlich Insekten. Pro Fütterung etwa 4-6 mittelgroße Futtertiere. Es gibt allerdings individuelle Unterschiede, die zu beachten sind. Die meisten Bartagamen wissen nicht, wann sie satt sind und fressen über den Bedarf hinaus. Deshalb sollte man sich nicht auf das Sättigungsgefühl der Bartagame zu verlassen. Besonders in der Eiablagezeit muss den Tieren mehr Futter und Kalzium angeboten werden, da dann der Energiebedarf für die Eibildung drastisch steigt. Eine Orientierung für die zu verabreichende Futtermenge gibt der Ernährungszustand, zu beurteilen am Hüfthöcker, Schwanzbasis.

Zu große Insekten stören oft den Verdauungsvorgang. Meiner Erfahrung nach eigenen sich große Heuschrecken auch nicht für ausgewachsene Bartagamen. Diese werden meist unverdaut wieder ausgeschieden - ein Zeichen für Verdauungsschwierigkeiten. Davon abgesehen ist das Verletzungsrisiko durch die messerscharfen Insektenbeine hoch. Die maximale Insektengröße sollte die Maulbreite nicht überragen - lieber immer kleiner füttern! Es empfiehlt sich, ausgewachsenen Tieren immer Grünes (Salat, wenig Obst) anzubieten, dafür aber weniger tierische Mahlzeiten.

4) Falsche Futterinsekten

Mehlwürmer und Zophobas werden gerne gefressen, sie schaden aber auch! Der harte Chitinpanzer kann zu Verstopfungen führen, das Mundwerkzeug lebender Larven kann den Verdauungstrakt zerstören. Mehlwürmer enthalten zu viel Fett und besitzen einen schlechten Nährwertgehalt und das Kalzium/Phosphorverhältnis ist ebenfalls ungünstig.
Wachsmottenlarven (süß und fett) können ausnahmsweise mal zum Anfüttern nichtfressender Tiere gegeben werden. Ansonsten sind sie tabu!
Wichtig ist eine abwechslungsreiche Insektenkost (v.a Grillen, Heimchen, Heuschrecken) und nur zur Abwechslung mal Schaben, Zophobas o.ä. anbieten. Zophobas am besten ohne Kopf bzw. abgetötet füttern. Den Futtertieren sollte bis zu ihrer Verfütterung Trinkwasser bzw. artgerechtes Futter (geriebene Karotte, Zucchini, Fischfutter, Hundeflocken...) zur Verfügung stehen. Denn nur gut angefütterte („good loading“) Insekten sind gutes gesundes Futter für die Agame.

5) Überbesatz Jungtiere

Der Nachwuchs ist nun da – ein Becken für die Babys auch. Ein Becken reicht für die Jungtiere nicht aus! Unterschiedlich große Tiere müssen der Größe nach getrennt werden. Kranke oder geschwächte Tiere müssen separiert werden. Dafür wären schon mal 3-4 Becken nötig – je nach Größe des Terrariums und des Schlupfes natürlich! Die Babys sollten schon frühzeitig am besten ständig Salat zur Verfügung haben und ausreichend mehrmals täglich mit eingestäubten Insekten gefüttert sowie getränkt werden. Jedes einzelne Tier muss dabei berücksichtigt und beobachtet werden. Sitzerhöhungen sollten möglichst gleichhoch sein. Nur so lässt sich Kannibalismus (das gegenseitige Anknabbern) vermeiden.

6) Ungünstiges Bodenmaterial

Da sehr viele Bartagamen immer wieder mit einer Sandverstopfung vorgestellt werden, empfiehlt es sich eigentlich keinen Sand zu benutzen. Am hygienischsten wäre eine Haltung auf Zellstoff/Zeitungspapier. Dieser Untergrund ist täglich schnell auszutauschen, schaut allerdings optisch nicht sehr schön aus. Alternativ kann man auf Lehm (aus der Natur) zurückgreifen. Das perfekte Bodensubstrat für Bartagamen in Gefangenschaft wurde allerdings noch nicht erfunden. Die eigenen Tiere sitzen zugegebenermaßen ebenfalls auf einem Sand- Lehmgemisch, bis heute ohne Probleme. Beachtet man einige wichtige Aspekte, sollte die Nutzung des Sandbodens aus eigener Erfahrung heraus durchaus vertretbar sein:
- keinen Vogelsand nutzen (hier befindet sich Grit darin, dies veranlasst die Bartagamen zur Aufnahme von Sand)
- die Sepiastücke nicht in den Sand streuen (Sandaufnahme!)
- immer genügend Mineralstoff zufüttern über Futtertiere (ein Mangel führt zur Suche nach Kalzium und fördert dadurch wiederum die Sandaufnahme)
- Insekten am besten aus einer Schüssel oder per Pinzette füttern (vermindert die Sandaufnahme beim Fangen)
- geraspelter Sepiaschulp ad libitum (nach Bedarf) anbieten
- möglichst keine Bodenheizung dauerhaft einsetzen (unphysiologische Wärme von unten)

7) Entwurmen vernachlässigt

Parasitenfrei bekommt man mit Sicherheit kein Tier und dies wäre auch nicht wünschenswert, da einige "Untermieter" zum Tier dazu gehören! Wichtig ist es aber in regelmäßigen Abständen an eine parasitologische (Würmer, Kokzidien, Flagellaten...) Untersuchung zu denken. Anhand der Ergebnisse der Kotuntersuchung können dann ggf. die Erreger gezielt bekämpft werden. Nur der Tierarzt oder Laboranten können einschätzen wie stark das Tier befallen ist, ob es sich um normal vorkommende, nicht krank machende oder pathogene Erreger handelt und ob ein gesund erscheinendes Tier überhaupt behandelt werden sollte. Dies ist von der Art der Erreger und der Anzahl abhängig! Ganz wichtig ist eine Kotprobe unbedingt vor der Winterruhe! Während der Winterruhe können sich sonst ungehindert bestimmte Parasiten vermehren und zum Tod des Tieres führen. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass viele Reptilien Salmonellen in sich tragen, ohne selbst daran zu erkranken. Dies kann bei schlechten Hygienebedingungen auch für Kleinkinder oder immunschwache Menschen gefährlich sein. Eine Untersuchung gesunder Bartagamen macht wenig Sinn, da nicht zu jeder Zeit Salmonellen im Kot nachweisbar sind. Ein negatives Ergebnis der Kotprobe bedeutet demzufolge nicht, dass das Tier keine Salmonellen hat. Eine gezielte dauerhafte Eliminierung der Salmonellen aus der Echse ist derzeit nicht möglich, da es keine geeigneten Medikamente gibt. Hygienemanagement ist daher immer oberstes Gebot!

8) Falsche Gruppenzusammenstellung/Überbesatz

Eigentlich sind Bartagamen Einzelgänger. Die artgerechteste Haltung wäre demzufolge die Einzeltierhaltung. Männliche Bartagamen vertragen sich untereinander kaum. Desweiteren sind sie in der Paarungszeit nicht gerade Romantiker, sondern können sehr aufdringlich sein und die Partnerin arg stressen. Möchte man mehrere Tiere zusammen halten, ist deshalb darauf zu achten, dass ein männliches Tier nicht nur mit einem Weibchen vergesellschaftet wird oder das zumindest in der Paarungszeit ein separates Becken zur Verfügung steht um die Tiere trennen zu können.
Auch unter den Weibchen kann es zu Unverträglichkeiten kommen. Greift man nicht ein und trennt unterdrückte Tiere, kann es mal abgesehen von diversen Bissverletzungen im schlimmsten Fall auch zum langsamen Dahinvegetieren (Einstellen des Fressens, Dunkelfärbung, geduckte Haltung, Verstecken) und Verenden des Tieres kommen.
Wichtig ist ein ausreichend großes Terrarium, nur ein männliches Tier pro Gruppe und genügend Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten für jedes Einzeltier.

9) Verletzungen durch Insekten

Nichtverfütterte Insekten sollten am Abend herausgelesen werden, da sie schlafende Bartagamen anknabbern können (Foto: tiefes Fraßloch durch eine Grille bis in die Zölomhöhle hinein). Alternativ kann eine Schüssel mit Futter für die Insekten (bspw. Karotte, Zuchini, Apfel) in das Terrarium gestellt werden.
Beim Verfüttern von lebenden Mehlwürmern oder Zoophobas kann es durch das Mundwerkzeug zu inneren Verletzungen kommen. Auch die Sprungbeine adulter Heuschrecken führen regelmäßig zu Schnittwunden im vorderen Atmungstrakt oder im Verdauungskanal der Echsen. Verstopfungen werden häufig durch Insekten mit hartem Chitinpanzer verursacht. Drücken harte Kotmassen dann auf Nerven im hinteren Körperdrittel, sind Lahmheiten der Hintergliedmaßen möglich.

10) Häutungsprobleme

Die Häutung ist regelmäßig gründlich zu kontrollieren, v.a. an Schwanzende und im Zehenbereich. Warme Wasserbäder können zwar unterstützend helfen um die Haut etwas einzuweichen, ersetzen aber nicht die vordergründige optimale Versorgung des Tieres mit Vitaminen sowie eine optimale Haltung (Temperatur, Luftfeuchte). Oftmals werden Häutungsprobleme durch Vitaminmangel verursacht. Vorsicht allerdings vor einer Überdosierung des Vitamin A!